Margarete Müller-Teschke: Bilder 2000-2005 (ISBN 3-8334- 3506-2)

Katalog

Margarete Müller-Teschke "Bilder 2000 - 2005"
ISBN 3-8334- 3506-2 BoD

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Vorwort - Deutsch  |  Preface - English

Lebensspurensuche und Weltbilderfindung

"Es gilt, unseren Garten zu bestellen." Dieses Motto Voltaires steht nicht ohne Grund voran, denn ein zentrales Anliegen der Künstlerin Margarete Müller-Teschke geht dahin, uns mit ästhetischen Erfahrungen wieder aufmerksam werden zu lassen für die Schönheit und Bedeutsamkeit dieser Welt, die wir gemeinsam verwalten. Mit ihren Bildern, Collagen und Installationen evoziert sie den Reichtum menschlicher Gestaltung und erinnert uns mit Hinweisen auf deren Vergänglichkeit daran, dass unsere ursprüngliche Aufgabe im Begreifen und Bewahren, nicht im Ergreifen und Zerstören besteht.

Die Arbeiten der Künstlerin begegnen uns zunächst in der ihnen eigentümlichen körnigen Farbigkeit, warm oder kühl, Ton in Ton abgestuft, aber auch in milden oder kräftigen Kontrasten, teils kostbar verblasst wirkend, teils frisch aufgetragen, Farben, die angenehm berühren und zugleich reizen, genauer hinzuschauen.
Wir entdecken Muster und Gliederungen ähnlich denen von Spielplänen, Grundrissen, Labyrinthen oder Tapisserien. Schließlich stoßen wir auf Symbole, die uns rätselhaft und vertraut zugleich anmuten: Fragmente von Allegorien und Folgen von Schriftzeichen, geometrische und astronomische Elemente, florale und kristalline Arabesken.

Diese vielschichtig aufgebauten Werke entstehen in lang andauernden Prozessen, die immer das Spontane einbeziehen. Nehmen wir Beispiele aus den von der Stadt Rom inspirierten und teilweise auch dort gearbeiteten Serien "Terra" und "Memoria" in den Blick.
Am Anfang steht bei Margarete Müller-Teschke stets die an allem interessierte Wahrnehmung, in diesem Falle nicht nur der sichtbaren Monumente alter Kulturen, sondern auch ihrer Bewandtnis und Funktion. Deshalb bildet die Auseinandersetzung mit historischen Darstellungen und Überlieferungen einen ebenso wichtigen Ausgangspunkt für sie wie das Festhalten von Eindrücken mit Skizzenblock und Stift: die Mosaike eines Kirchenbodens, eine Fensterrose, zerbröckelnde Mauern und ragende Säulen, geschwungene Gitter und Verzierungen auf Giebeln. Dazu kommen alltägliche Beobachtungen wie eine wehende Gardine oder in der Sonne glänzendes Lorbeerlaub. Gleichzeitig sammelt sie auf ihren Wanderungen die Kiese, Sände, Erden und Lehme, in Rom vor allem verschiedene Schattierungen von Grau, Ocker und Braun und Rot.

Impressionen und Materialien setzt die Künstlerin in ihren Collagen dann frei zusammen. Auf der teils groben, teils feinen Grundierung der kalkig weißen Leinwand arrangiert sie Zeichnungen, Abgüsse und Abdrücke von Ornamenten, Geweben und Pflanzen. Zur partiellen oder gänzlichen, auch mehrfachen Übermalung dieser Motive benutzt die Künstlerin die Pigmente und Stäube, die sie vor Ort aufgehoben hat.

Jede Arbeit ist eine in sich geschlossene und authentische Einheit, die unsere Vorstellungskraft anregt. Sind es verschlüsselte Botschaften aus Mythen und Religionen, die wie in einer archäologischen Grabung freigelegt werden? Oder sind es vielmehr poetische Momente, die aus Vergangenheit und Gegenwart ineinandergefügt und verschmolzen sind wie ein sedimentierter Amonit mit einem antiken Tempel und einem gerade verwitternden Blatt? Oder Hinweise auf überzeitliche Gesetze und Ordnungen, die in goldenen Schnitten das Universum durchziehen?

In ihrer Kunst durchdringt Margarete Müller-Teschke die Oberfläche der Erscheinungen hin auf das darunter Verborgene, erfasst das Ganze in seinen vielfältigen Dimensionen und verbindet die Freude am Experiment mit Formen und Farben zu einem eindringlichen Appell für ein sinnreiches Erleben unserer Welt, unseres Gartens ...

Dr. Jutta Höfel, im Mai 2005